Irina Karamarkovic: Stimme ohne Grenzen

ein Portrait von Mona May

Ein Stern ist aufgegangen und dieser Stern heißt Irina Karamarkovic. Ihr werden diese Worte, da bin ich mir ziemlich sicher, nicht sonderlich gefallen. Denn sie mag es nicht besonders gerne, als etwas Besonderes dargestellt zu werden und doch ist sie es. Für mich und wahrscheinlich für viele andere auch.

Weltformat

Was macht sie für mich so besonders? Nun ja, wie soll ich das sagen, ich versuche es mal so: Wenn ich ihre Musik höre, dann versammeln sich in meinem Ohr Lauri Anderson, Meredith Monk, Patti Smith, The Residents, Loreena McKennitt, Nina Simone, Nina Hagen, Janis Joplin, Aretha Franklin und viele mehr. Und aus all diesen Weltklassemusiker_innen gebiert sich die Musik von Irina Karamarkovic in meinem Ohr, sodass ich sie alle vergesse und nur mehr sie höre. Sobald ich aufhöre assoziative Vergleiche zu ziehen, weiß ich, dass ich auf etwas gestoßen bin, das etwas Besonderes, etwas Eigenes und Einzigartiges ist, so wie die Musik von Irina Karamarkovic. 

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Multitalent
Irina Karamarkovic – Foto: Andreas Schlemmer

Aber sie ist nicht nur Musikerin und Performerin, die ihre eigenen Songs komponiert und performt, sie ist zudem Autorin politischer Essays, literarischer Texte und wissenschaftlicher Artikel. Sie ist Magistra Art für Jazz Gesang und Doktorin der Philosophie und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Einige meiner Fragen hat sie – ich möchte es mal so ausdrücken – hart, ja für mein Empfinden, sogar schroff beantwortet. Sie dachte wohl, ich würde zurückweichen. Da hat sie sich aber geirrt, denn ihre Ehrlichkeit und Direktheit hat mich, auch wenn sie auf den ersten Blick unbequem ist, einmal mehr von ihr überzeugt und eingenommen.

Sie will etwas zu sagen haben und das hat sie auch: Kunst und soziales Engagement gehören für sie zusammen, weil wir als Einzelne und als Gesellschaft die Verantwortung für ein gedeihliches Miteinander tragen. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr Sinn für soziale Gerechtigkeit ausgeprägt ist, dass sie Diskussionen über die Herkunft für überschätzt hält und findet, dass diese nur der Verhärtung des Mythos über kulturelle Unterschiede dienen. Fremdenfeindlichkeit und ein ignoranter Umgang mit dem Faschismus beziehungsweise der NS-Vergangenheit befremden sie.

Musikalische Familie

Geboren wurde sie in Priština, Kosovo. Wie sie den aufgewachsen und wie die Musik in ihr Leben gekommen sei, frage ich sie. „Ich bin agnostisch aufgewachsen, in einer Familie voller Künstler_innen, in einer sehr liberalen und liebevollen Umgebung, in einem offenen Haus. Meine Eltern haben in Wissenschaft, Kunst und Reisen investiert. Wir haben mehrere Sprachen gesprochen und pflegten Toleranz und Kommunikation. Schon als Kind kam ich mit Musik in Berührung. Meine Mutter ist klassische Geigerin und Komponistin, ein Opa war Komponist, der andere Opa war Akkordeonist, mein Vater ist Gitarrist, mein Bruder auch. Singen tun sie alle. Ich habe als Kind zuerst Klavier, dann Querflöte gespielt. Nach Graz kam ich Ende 1997, um hier Jazz und Gesang zu studieren. Die Jazz Abteilung an der Kunstuniversität Graz ist ein besonderes und kreatives Biotop.“ 

Musik ohne Grenzen

Die Liste ihrer Lehrer_innen ist lang:

 Irina Karamarkovic – Foto: Andreas Schlemmer

„Es ist wirklich unmöglich, sie alle zu nennen. Ich habe das Glück gehabt, von großartigen Menschen und Künstler_innen zu lernen. Am meisten haben mich die Menschen geprägt, mit denen ich gearbeitet habe. Von den formellen Lehrer_innen war höchstwahrscheinlich Mark Murphy die wichtigste Person für mich.“ Befragt, ob sie sich einer musikalischen Stilrichtung oder einem Genre zugehörig fühle, sagt sie sehr klar:

„Ich mag solche Kategorisierungen überhaupt nicht. Ich fühle mich keiner musikalischen Richtung zugehörig oder verpflichtet. Ich vermeide Genrebezeichnungen, da sie der Etikettierung dienen. Sagen wir, dass improvisierte Musik meine Liebe ist.“

Arbeitest du mit einer festen Band und wenn ja, welchen Namen hat diese Band? will ich wissen:

„Ich arbeitete und arbeite mit mehreren Bands und ich kann mich auch mit dem Begriff „fest“ nicht wirklich anfreunden, beispielsweise ziehen Menschen weg und die Besetzungen ändern sich. Ich arbeite mit bestimmten Menschen immer wieder und immens gerne zusammen, es kommt immer was Neues. Auch arbeite ich mit sehr vielen MusikerInnen. Jetzt zum beispiel mit Denovaire und Daniela Fischer, dann mit Stefan Heckel, Wolfram Derschmidt und Andjelko Djele Stupar und immer wieder mit Lothar Lässer, Kurt Bauer. Sie sind für mich Familie. Ich arbeite mit ihnen, weil ich sie liebe und schätze. So einfach ist es,“ lässt sie verlauten.

Infos über Irina Karamarkovic:

www.irinakaramarkovic.com

https://www.instagram.com/irinakaramarkovic
https://twitter.com/irinitis

Ausgewählte Videos:

https://irinakaramarkovic.wordpress.com/media/

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Author: Mona May

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