Theater Kaendace: Neuer Blick auf alte Schätze

Kandake, Königsmutter, so nannten die antiken Nubier die Schwester des Königs, deren Sprössling einmal den Thron erben würde. Dementsprechend wichtig war der Status der Kandake in dem altägyptischen Reich, so sehr das die räumlich und zeitlich weiter entfernten Völker oft annahmen Kandake wäre der Titel der Königin selbst. Überlebt hat das Wort bis in die heutige Zeit hinein, durch den im englischen Raum gebräuchlichen Eigennamen Candace und im Grazer Theater Kaendace. Und von diesem Theater will ich in diesem Artikel näher berichten.

Neuer Blickwinkel

Das Theater Kaendace wurde 2004 von Klaudia Reichenbacher und Alexander Mitterer gegründet und widmet sich nun bereits seit fünfzehn Jahren der zeitgenössischen österreichischen Dramatik. Dabei werden sowohl Eigenproduktionen, als auch Stücke bekannter und unbekannter österreichischer Autoren und Autorinnen zur Uraufführung gebracht. „Uns geht es immer darum, einen anderen Blick auf etwas zu richten,“ erzählt Regisseurin und Schauspielerin Klaudia Reichenbacher. „Vor allem wollen wir an Persönlichkeiten erinnern, die entweder in Vergessenheit geraten sind oder deren heutige Wahrnehmung stark verzehrt ist. Zum Beispiel haben wir Stücke gemacht über Hedy Lamarr und Kaiserin Sissy und nächstes Jahr werden wir uns Nikola Tesla widmen.“

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Alte Mythen, neue Zeit

Darüber hinaus nimmt sich das Theater Kaendace auch Stücken von bereits etablierten Autorinnen und Autoren, wie zum Beispiel Ingeborg Bachmann und Felix Mitterer, an. Im aktuellen Stück kommt diesmal Peter Handke zum Zug. A Bao A Qu & Peter Handke Selbstbezichtigung ist vom 17. bis zum 23. September im Grazer Theaterhaus ARTist‘s in der Schützgasse 16 zu sehen. Regie führt Klaudia Reichenbacher gemeinsam mit Max Pfnür, die beide auch den Schauspielpart übernehmen. Musikalisch werden sie dabei von Lucia Froihofer unterstützt. A Bao A Qu ist ein lethargisches mythisches Wesen, das Erfüllung nur dann findet, wenn es sich an einen Führer dranhängt,“ so Klaudia Reichenbacher. „Dieser Mythos wird verwoben mit Handkes Selbstbezichigung und den Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Biber. Es ist ein poetischer Theaterabend, der einen uralten indischen Mythos in unserer heutigen Zeit wieder zum Leben erweckt.“

Reicher Erfahrungsschatz

Theaterliebhaber werden sicher auf ihre Kosten kommen, denn bei Klaudia Reichenbacher sind sie in besten Händen. Die freischaffende Künstlerin kann auf 30 Jahre Erfahrung im Bereich Tanz und Theater zurückgreifen. Nachdem sie das Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien abgeschlossen hatte, lernte sie Schauspiel in der Spielstatt Ulm in Deutschland. Auf den Schauspielhäusern in Wien und Graz verfeinerte sie ihr Handwerk und arbeitete nebenbei als Theaterkritikerin. Zusätzlich ließ sie sich auch im Tanz ausbilden und fügte Butho, Modern und Contemporary Dance ihrem Lebenslauf hinzu. 1989 gründete sie das TanzTheaterGraz, das bis 2004 bestand und 30 Eigenproduktionen auf die Bühne brachte. So verdiente sich Klaudia Reichenbacher ihre Sporen als Regisseurin, Schauspielerin, Tänzerin und Choreographin.

 

Feste Größe

Außerdem war sie Regieassistentin in der Abteilung Musik beim ORF und Lehrbeauftragte für Tanz und Theater. Auch als Sängerin, Autorin, Kostümbildnerin und Produktionsleitein hinterließ sie bereits einen gewaltigen Fußabdruck in der österreichischen Kunstszene. Heute lässt Klaudia Reichenbacher alle diese Erfahrungen in Theater Kaendace fließen: „Wir regen an, öffnen den Blick und unterhalten mit Anspruch an Geist, Seele und Imagination. Wir betrachten Theater als lebendigen Prozess des Lernens und des Austausches, mit Menschen an sich, anderen Kulturen, Gesellschaftskonzepten, Geisteshaltungen,“ fasst sie zusammen.

www.theaterkaendace.at

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Author: Christian Handler

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