Peta Klotzberg: Charismatisches Chamäleon

ein Portrait von Mona May

Sie ist von einer klassischen Schönheit, als wäre sie dem Bild eines alten Meisters entstiegen, sie könnte aber genauso gut seine Muse gewesen sein oder die Frau, die ihm den Pinsel in die Hand gedrückt und ihn befehligt hat, zu malen. Sie zu malen, wäre sie nicht selbst von der Muse geküsst: Peta Klotzberg, ihres Zeichens Schauspielerin. Sie habe ich heute die große Ehre Euch im Rahmen meiner Aktion Goethe ist tot – wir leben vorstellen zu dürfen.

Steter Wandel

Etwas umwittert ihre zeitlose und herbe Schönheit – ein Geheimnis, das sich wie ein vergilbter Schleier über sie legt. Und das macht sie vielleicht so besonders, so anziehend und auch so wandelbar. Diese Wandelbarkeit ist die Basis ihrer Darstellung, ihrer Kunst, ihres Berufes.  Ihr tänzerischer Esprit verleiht ihren Gesten eine Intensität, die Schaudern hervorrufen können und dann im nächsten Moment schimmert eine Sanftmut durch ihr Wesen durch, als wäre sie ein Kind. Unschuldig und ungeformt, bereit sich der Welt zuzuwenden. Aber da haben wir uns geirrt, denn schon ist sie ein Vamp, hat sich in eine Domina verwandelt oder bezirzt ihre männlichen Kollegen, indem sie verführerisch ihre Schenkel übereinander schlägt und zur großen Verführungskünstlerin wird. Wir bekommen Angst, gleich wird sie einen von ihnen verschlingen, aber nein, schon spaziert sie barfuß durch Wiesen, pflückt verträumt ein Blümchen und lächelt uns mit einem Engelsgesicht an, sodass wir gar nicht anders können, als sie zu mögen.  Diese Vielgestaltigkeit, diese Wandelbarkeit, ja, das alles ist Peta Klotzberg, das wage ich jetzt einfach mal so zu behaupten und in den Raum zu stellen.

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Go with the flow

„Peta, wie stellst du das an, was ist dein Antrieb, hinter dieser Wandelbarkeit, was dein Motiv?“, frage ich sie. Sie antwortet mir und es klingt bescheiden und unspektakulär: „Die Sache an sich hat selbst so einen Flow – es ist kein Antrieb nötig, es ist ein Prozess, eine Entwicklung, die sich verselbständigt und unabhängig von den Tageszeiten einfach im Kopf und in der Seele immer weiter läuft und mich, meine Zeit und Ressourcen herausfordert – und zwar liebevoll und hartnäckig.“
Das bringt mich auf die Idee sie zu fragen, wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet. „Oh, ganz unterschiedlich – das hängt ganz von der Zeit, dem Medium (ob Film oder Bühne, Anmerkung der Autorin) von der Figur selbst und auch von meinen Spielpartnern ab. Ich arbeite gern in und mit Räumen, begebe mich gern in die unterschiedlichsten Situationen, erarbeite mir eine Biographie über die Körperlichkeit, den Atem. Dabei sind Proben mit Partner_innen auch sehr effizient – sich mit den Partner_innen in alle möglichen Lebenssituationen zu begeben und diese zum Beispiel auszureizen, bis an die Grenzen oder sogar darüber hinaus zu gehen.“

Kindheit in Wien

Im Jänner erblickte sie in Wien das Licht der Welt. Über ihre Familie erzählt sie: „Ich stamme aus einer Mittelklassefamilie mit dem Drang und Streben nach Bildung, die im etablierten Wertesystem verankert war. Ich erinnere mich aber auch gern an die Selbstverständlichkeit mit der Caritas-Erlagscheine ausgefüllt wurden. Es war meinen Eltern wichtig, etwas zu geben. Ich hatte als Kind wirklich viel Freizeit und viel Freiheit, die ich in der Natur, unter anderem auch im Ruderclub Klosterneuburg und mit anderen Kindern zum Toben und ja, zum Theaterspielen, verbrachte. Ich erinnere mich auch an endlose Trivial Pursuit Spieleabende. Meine Schwester hat dankenswerterweise die Aufgabe übernommen, das Familienideal Prestigeberuf zu erfüllen, sodass für mich, als jüngere Schwester, ALLE Freiheit blieb, zu tun, was mich reizt und erfüllt.“

Ruf der Kunst

„Bist du die einzige Künstlerin in deiner Familie?“, will ich jetzt wissen. Kokett, wie mir scheint, antwortet sie: „In meiner Familie sind alle in “soliden Berufen” – ich bin das einzige schwarze beziehungsweise bunte Schaf.“ Und dann fährt sie ernst und in sich gekehrt fort: „Ich habe schon als Kind Geschichten geschrieben, mich verkleidet, Theater gespielt, Winnetou und MacGyver waren die Helden meiner Kindheit. In der Schule wurde mir Schreibtalent attestiert, der Schulvortest ergab: das Kind muss an eine künstlerische Schule – und da gab es eigentlich abgesehen von Modeschulen nur die “Graphische” – also bin ich dorthin und wurde mit vierzehn in die Klasse für Fotografie aufgenommen. Von den Eltern kam der Rat: mach, was dir gefällt – aber insgeheim hatten sie wohl gehofft, ich tue es nicht.“

Vom Bild zum Körper

Ihre Ausbildung in Fotografie an der Graphischen (Höhere Lehranstalt für grafische Berufe Wien) absolvierte sie mit Bravour, danach durchlief sie diverse Schauspiel-, Gesangs- und Tanzausbildungen. Besonders genoss sie eine Ausbildung im Ballroom Dance (Paar- und Gesellschaftstanz).
Sie sagt: „Als ich nach der Graphischen den Körper als Ausdrucksmittel entdecken durfte, war das sehr befreiend für mich. Zuerst habe ich an diversen Kunst-Unis als Gasthörerin die Performance als künstlerisches Mittel für mich entdeckt – der eigene Körper als Instrument, das faszinierte mich. Mit dem Körper zu arbeiten, das ist die absolute Freiheit und die pure Beschränkung zugleich: es gibt kein Instrument, keinen Apparat, wie zum Beispiel die Kamera. Es gibt nur das ICH und das DU.“

Im Jetzt

So wundert es auch nicht, dass zu ihren Vorbildern so herausragende Performance- und Installationskünstlerinnen wie Marina Abramovic, Louise Bourgeois oder Carolee Schneemann zählen und dass sie eine Vorliebe für die Land Art hat.
Sie hat in Filmen wie Der Klang der Stille oder dem Historiendrama Die Seelen im Feuer mitgewirkt, spielt oftmals in Produktionen der freien Wiener Theater Off Szene, in der sie ein begehrtes Mitglied ist. Ganz nebenbei erwähnt sie, dass sie einige eigene Projekte auf die Beine gestellt hat. Sie spricht nicht gerne darüber, was sie schon alles gemacht hat. Ich vermute, weil sie sehr bescheiden ist. Aber sie erklärt mir: „Nein, ich will einfach im Hier und Jetzt aktiv sein, jetzt leben und arbeiten, denn Theater ist etwas sehr Heutiges, etwas, das Aktuelles aufzeigt und nach Lösungen sucht, für mich. Das, was ich HEUTE mache, das ist das, was mir wichtig ist.“ Und sie fügt ergänzend hinzu: „Natürlich kann ich auch von alter Literatur immens viel lernen, eben wie der Mensch generell ist – aber es wiederholt sich vieles – und ICH lebe HEUTE und HIER und das hat für mich immer Vorrang.  Mein Beruf ist mir sehr wichtig und ich fürchte er ist meine Familie, er ist mir mein Freundeskreis und der Ort meiner Geborgenheit. Ich versuche so weit als möglich und recht erfolgreich zu ignorieren, dass der Mensch Geld zum leben benötigt.“ 

Engagiertes Spiel

Neben dem Schauspielen, Schreiben und dem Tanzen unternimmt sie auch musikalische Gehversuche, obwohl sie von sich sagt „Ich bin keine Musikerin“ können wir gespannt sein, ob Peta Klotzberg uns nicht doch eines Tages mit ihren neuesten, selbstgeschriebenen Songs überraschen wird. Zutrauen würde ich ihr das durchaus. Gerne möchte ich von ihr wissen: „Gehören Kunst und soziales Engagement für dich zusammen?“ Hier ist ihre klare, ja fast strikte Antwort: „Unbedingt! Das Theaterschaffen ist Bewusstseinsarbeit. Wir tragen die Verantwortung dafür, in welchen Produktionen wir mitwirken und wofür wir uns engagieren. Problematisch sind für mich Krimis und an Reality angelehnte Formate mit Gewaltdarstellungen, die keine weitere Motivation haben. Gewalt um der Gewalt Willen zu thematisieren – das finde ich gefährlich. Ich bin ehrlich gesagt immer froh und zufrieden, wenn ich in einem Film oder einer Produktion arbeiten kann, wofür gut recherchiert wurde, wo ich mich einbringen kann und ich als Schauspielerin tiefere Zusammenhänge aufzeigen kann.“

Immer auf der Suche

Zum Abschluss frage ich sie: „Peta, gibt es ein erstrebenswertes Ziel für dich oder anders gefragt, was möchtest du noch alles umsetzen und erreichen?“ Schelmisch gibt sie zur Antwort: „Zufriedenheit?“ Dabei blitzen ihre Augen und ich weiß nicht so recht, ob sie mich auf den Arm nimmt oder nicht. „Nein“, fährt sie dann fort – und ich atme auf: „Natürlich nicht, denn ich sehe im Zweifel und im Hinterfragen auch einen starken Motor, der mich antreibt weiter zu machen. Das ist das Ziel – weitermachen, mich verbessern, mich im Tun entwickeln, ob es nun das Handwerkliche oder das Zwischenmenschliche betrifft.“
In ihrem Spiel ist sie die Hochsensibilität in Person und ein brodelnder Vulkan zugleich. Dem zugrunde liegt eine äußerst feinsinnige, feinfühlige und komplexe Persönlichkeit, die fähig ist, uns die höchsten Gipfel des Glücks, wie die tiefsten menschlichen Abgründe vor Augen zu führen.

www.filmmakers.de/peta-klotzberg
www.soundcloud.com/peta-klotzberg
www.facebook.com/peta.klotzberg

Trailer:


Der Klang der Stille:

https://www.youtube.com/watch?v=6Zku7aPiUls


Die Seelen im Feuer:

https://www.youtube.com/watch?v=08rJrlYswyA


BEINBALL:

https://www.youtube.com/watch?v=6HS6D20Re88

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Author: Mona May

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