Hader erzählt mir was: ein Gespräch mit Josef Hader

Eigentlich hätte ich Josef Hader ja vor seinem Auftritt in Amstetten treffen sollen. Dort gab er in der ausverkauften Johann Pölz-Halle sein Programm Hader spielt Hader, eine Art Best of seines bisherigen Werkes, zum Besten. Doch eine unerwartete Verspätung machte uns einen Strich durch die Rechnung und wir verpassten uns leider. Ein paar Tage später holen wir unser Gespräch doch noch nach, wenn auch nur per Telefon.

Heimatgefühle

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl in Amstetten zu spielen,“ erzählt mir Josef Hader, der aus dem wenige Kilometer entfernten Ort Nöchling stammt, als ich ihn nach seinem Auftritt frage. „Viele Leute aus der Heimat sitzen da im Publikum. Da muss ich aufpassen, nicht nervös zu werden.“ Ob er nach über 40 Jahren auf der Bühne immer noch nervös wird, frage ich ihn. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich immer nervös werde. Aber es gibt durchaus Abende an denen ich mich durchkämpfen muss,“ lautet seine ehrliche Antwort. „Wie ein Sportler muss ich mich eben gut aufwärmen.“

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Von den Besten gelernt

Ich ergreife gleich die Gelegenheit und frage ihn nach seiner Aufwärmroutine: „Von sieben bis acht Uhr achte ich darauf, dass ich nicht zu viel plaudere. Außerdem mache ich eine Art Entspannungsritual, so etwas wie Autogenes Training. Das habe ich von Herwig Seeböck gelernt.“ Ein halbes Jahr lang nahm Josef Hader Schauspielunterricht bei der österreichischen Schauspiel- und Kabarettlegende. Zu ihm kam er durch seine Bekanntschaft mit Alfred Dorfer, der ebenfalls ein Schüler Seeböcks war. Überhaupt waren Josef Haders Anfänge so eng verwoben mit Alfred Dorfer, dass ich selbst lange Zeit dachte er wäre bei Dorfers Gruppe Schlabarett dabei gewesen.

Sprungbrett

Ich war nie ein Teil vom Schlabarett,“ klärt mich Josef Hader auf. „Aber wir haben uns sehr früh kennen gelernt. Ich bin zu Beginn oft im Kabarett Niedermayr aufgetreten, zur gleichen Zeit sind da auch die Leute vom Schlabarett, also Alfred Dorfer, Roland Düringer und Andrea Händler, aufgetreten. Das Niedermayr war für uns alle ein Sprungbrett. Später habe ich mit dem Alfred Dorfer gemeinsam Indien geschrieben.“

Ungeplante Wege

Was ihn den eigentlich veranlasst hätte, den Beruf des Kabarettisten ergreifen zu wollen, ist meine nächste Frage. Josef Hader antwortet mir: „Ich wollte eigentlich Lehrer für Deutsch und Geschichte werden, aber das Germanistik Studium hat mir nicht gefallen. Kabarett habe ich nur als Hobby betrieben. 1985 gewann ich den Salzburger Stier, da habe ich dann beschlossen, dass als Beruf zu machen. Vorher habe ich immer gedacht, dass der Amateur der wahre Künstler ist.“

Zurück zu den Anfängen

Ich bohre ein wenig weiter nach, denn mich interessiert, wie er überhaupt begonnen hat Kabarettstücke zu spielen: „ In der Schule war ich im Schultheater und bei einer Schulabschlussfeier habe ich mit zwei anderen zum ersten Mal Kabarett gemacht“, erinnert sich Josef Hader zurück. „Das ist gut angekommen und plötzlich war ich cool, hatte einen neuen Status. Das hat mir natürlich gefallen. Mit der selben Gruppe habe ich dann ein Kabarettprogramm gemacht und damit haben wir die Maturareise finanziert. Das hat mich schon einen Schritt weiter gebracht.“

Selbst ist der Mann

Was gefällt ihm denn am Kabarett so sehr, dass er es seit 40 Jahren immer noch macht? Immerhin hat er auch eine steile Filmkarriere hingelegt. Kabarett ist eine spannende Kunstform,“ antwortet er mir. „Es ist ein spannender Kampf, dass man sich da ganz alleine selbst vertreten muss, dass man in Kommunikation mit dem Publikum am Abend tritt. Man ist da auch nicht ganz ungefährdet, ein Programm ist keine gmahte Wiesen. Ich hab Kabarett immer lieber gemacht als Film. Film ist ein spannender Ausflug. Mich interessiert aber mehr, was ich selber schreibe. Auch finde ich einen Film, an dem ich selber mitgeschrieben habe viel interessanter. Selten kommt es vor, dass eine Rolle die schon fertig ist, für mich wirklich interessant ist. Stefan Zweig war so eine Rolle. Aber generell finde ich fremde Drehbücher nicht so interessant.“

Filme und Finanzen

Dabei erinnere ich mich daran, ein Interview gelesen zu haben, in dem Josef Hader von chronischem Geldmangel im Filmbereich gesprochen hatte. Ich spreche ihn darauf an: „Einen Film in Österreich zu finanzieren ist extrem schwierig,“ bestätigt er mir. Ich bin überrascht, dass jemand der in Meilensteinen des österreichischen Kinos wie Silentium und Indien mitgewirkt hat, Probleme hat, Geld für Filme zu bekommen. Josef Hader klärt mich auf: „In Österreich kann heute keiner alleine einen Film finanzieren, das geht nur mit Unterstützung. Meine Filme haben meistens um die 300.000 Zuschauer in Österreich, in Deutschland weniger. Das ist zu wenig, um sich zu rentieren. Da braucht man schon Millionen Zuschauer.“

Neues und Altes

So nebenbei erwähnt Josef Hader im Gespräch, dass er auch an einem neuen Programm schreibt. Das macht mich natürlich neugierig, doch da hält sich der Künstler noch bedeckt: „Da möchte ich jetzt noch nichts ausplaudern, nur soviel, dass ich gerne hätte, dass mein neues Programm mit aktuellen Strömungen in der Gesellschaft zu tun hat.In der Zwischenzeit spielt er weiter sein Programm Hader spielt Hader, das aus verschiedenen Nummern besteht, die seinen anderen Programmen entnommen sind. Ein Programm zwischen den eigenen Programmen, wie er es nennt.

Routine als Rüstung

Seit einigen Jahren tourt er damit schon durch die Lande. Ich frage ihn, ob ihm das nicht langweilig wird. Langeweile ist schon ein Problem ab der 20. Vorstellung,“ lacht er. „Da braucht es ein Rezept gegen die Routine. Ich mache eben autogenes Training. Die Routine beschützt einen aber auch, wenn man auf äußere Herausforderungen stößt oder die eigene Befindlichkeit einem im Weg ist. Manchmal gibt es sehr leichte Räume, manchmal sehr schwere Räume.“

Kunst und Kritik

Gegen Ende des Gespräches, frage ich ihn noch, ob er als Künstler für sich einen Auftrag sieht, Sozialkritik zu üben. Schließlich ist seine Arbeit durchaus mit bissigen Gesellschaftskommentaren gewürzt. „Nein,“ sagt Josef Hader. „Als Künstler hat man nur den Auftrag zu machen, was nicht notwendig ist. Das ist meine persönliche Kunsttheorie: Kunst ist das, was nicht notwendig ist.“

Die neue Generation

Zum Abschluss will ich noch von Josef Hader wissen, ob er die heutige Kabarett- und Comedyszene im Auge hat. Wie sich herausstellt, hat er das: Ich mache regelmäßig Abende mit jungen Künstlern, einmal im Jahr im Theater im Alsergrund. Aber auch als auch als Zuschauer gehe ich zu Aufführungen. Lisa Eckhart, Hosea Ratschiller und Christof Fritz mag ich zur Zeit sehr gerne. Heute ist es aber für Künstler und Künstlerinnen viel schwieriger, da es im Kabarett schon so viele etablierte Künstler gibt. Andererseits ist die jetzige Generation viel reifer und interessanter, auch spielerisch gesehen. Sie haben einfach mehr Gelegenheit Dinge zu sehen, wie auch sehr gute Comedy aus dem anglo-amerikanischen Raum. Ich war am Anfang eher ein unbeholfener Bub vom Land. Mein erster Kontakt mit Comedy war in einem Laden mit dem Namen Schallplattenkiste. Dort habe ich ein Doppelalbum mit Woody Allens Stand up entdeckt.“

Josef Hader ist mit Hader spielt Hader noch einige Zeit in Österreich, Deutschland und der Schweiz unterwegs. Alle Termine sind zu finden auf:

www.hader.at

Fotocredits: (c) Susie Knoll, (c) Udo Leitner, (c) www.lukasbeck.com 

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Author: Christian Handler

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