Georgij Makazaria: Russkajas imposanter Russian Gentleman

Schwarz-Rote Uniformen, tanzbare Ska-Rhythmen, Polka- sowie Rockbeats, russische Volksmusik und intensive Performances. Klassische Rockbandbesetzung plus Bläsersektion und eine Violinistin. Dazu meist dreisprachige Texte in deutsch, englisch und russisch, vorgetragen mit rauher, doch vielseitiger Simme und viel musikalischer Humor. Das sind die Elemente, welche die österreichische Band Russkaja ausmachen. Dabei schufen sie einen einzigartigen Sound der international seinesgleichen sucht und jedem Versuch sie in ein Genre einzuordnen ein Schnippchen schlägt. Mich persönlich erinnern sie am ehesten noch an Frank Zappa oder Gogol Bordello, gleichzeitig aber auch nicht.

Vielfalt

Seit bereits über fünfzehn Jahren mischen die sieben Musiker nun bereits die europäische Musiklandschaft auf und sind fixer Bestandteil der satirischen Talkshow Willkommen Österreich. Mit ihrem eklektischen Stil haben sie dabei Fans quer durch alle Genres gewonnen und mit Vertretern so ziemlich aller Musikstile gemeinsam gespielt. Das Publikum wurde dafür belohnt mit eindrucksvollen Auftritten und Kollaborationen mit so verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen, wie Schlagersängerin Michelle, Comedian und Jazzmusiker Helge Schneider, Die-Ärzte Drummer Bela B, der Heavy Metal Band Grave Digger und den Mittelalter- Rockern In Extremo.

Stimmgewalt

Bemerkenswert ist dabei die scheinbare Leichtigkeit, mit der sich die Band an ihre jeweiligen musikalischen Partner anpassen kann, ohne dabei die eigene Einzigartigkeit zu verlieren. Allen voran Frontman und Bandgründer Gregorij Makazaria. Dieser scheint sich gesanglich überall wohl zu fühlen.

Ich habe vorher in vielen Coverbands gespielt,“ erzählt mir Makazaria im Interview. „Da haben wir Sachen gespielt von Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath und so. Mein großes Vorbild ist aber Ivan Rebroff (der Berliner Sänger, war einst Weltrekordhalter als Mann mit dem breitesten Stimmumfang, über 4 Oktaven. Anm. d. Red.).Außerdem hatte ich vier Gesangslehrer. Mein letzter Lehrer war aus Georgien und brachte mir Operngesang bei.“

Neue Welt

Georgij Makazaria, selbst Sohn georgischer Eltern, wurde 1974 im sowjetischen Moskau geboren. „ Der Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus in der Sowjetunion ging sehr schnell. Nach dem Mauerfall hat Gorbatschov die Sowjetunion zuerst für Geschäftsleute geöffnet,“ erinnert er sich. „Meine Mutter hat sich einen dieser Geschäfsleute, einen Österreicher, geschnappt, und 1989 sind wir nach Österreich gekommen. Das war erstmal ein kleiner Kulturschock. In einem Lebensmittelgeschäft plötzlich vierzig Käsesorten vor sich liegen zu haben, war sehr neu für mich und gewöhnungsbedürftig.“

Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich Georgij Makazaria in der neuen Heimat eingelebt hatte. Hilfreich war dabei, dass er noch sein letztes Pflichtschuljahr zu absolvieren hatte. „Ich kam auf das Polytechnikum Mödling, eine Schule mit sehr hohem Ausländeranteil. In der Sowjetunion war ich auf einer Spanischschule und hatte nur ein paar Deutschkurse. Auf der neuen Schule konnten viele kein Wort deutsch sprechen, aber nach einem Jahr konnten wir es alle sehr gut. Am Anfang hab ich meine Freunde und Verwandten vermisst, aber ich habe in Österreich sehr schnell neue Freunde gefunden.“

Die Anfänge

Hier in Österreich begann Georgij Makazaria sich selbst das Gitarre spielen bei zu bringen und war in einigen Bands, vorrangig Coverbands und sang eine Zeit lang bei der Metalband Stahlhammer. 2003 tat er sich mit dem Bassisten Dimitrij Miller zusammen und gründete eine Band, aus der schließlich Russkaja hervorgehen sollte. „Ich wollte was mit russischer Musik machen, aber tanzbar,“ erzählt der Sänger. „Damals waren wir noch nicht Russkaja und hatten viele Besetzungswechsel. Die Musiker waren am Anfang noch nicht professionell genug eingestellt. 2005 hatten wir dann die erste fixe Besetzung und gaben als Russkaja unsere ersten Konzerte im Klub OST.“ Es folgten noch viele weiter Konzerte sowie ein Plattenvertrag mit dem Independent Label Chat Chapeau. 2008 erschien ihr Debütalbum Kasatchok Superstar. Im selben Jahr wurden sie eingeladen, als Hausband der Satireshow Willkommen Österreich, moderiert vom Kaberettisten Duo Stermann und Grissemann, zu fungieren.

Napalm Records

Seit nunmehr zwölf Jahren sind sie ein fixer Bestandteil der Show und performen dort auch immer wieder mit musikalischen Gästen. 2010 folgte ihr zweites Album Russian Voodoo, bis sie schließlich von dem steirischen, eigentlich auf Metal spezialisierten Label Napalm Records unter Vertrag genommen wurden.

Am Anfang haben wir uns echt gewundert“ so Makazaria. „Das ganze war ein Experiment von Napalm Records. Die haben überlegt einen Vertrag mit uns zu machen, weil sie fanden, dass wir die gleiche Intensität wie die Metalbands haben. Das führte zu einer guten Zusammenarbeit mit dem Label und wir haben die drei Alben Energia, Peace, Love & Russian Roll und Kosmopoliturbo mit ihnen veröffentlicht.“

Triumph in Wacken

Als Nebenwirkung dieser Zusammenarbeit, kam es dann auch zum ersten Auftritt der Band auf dem Wacken Open Air, einem der größten Heavy Metal Festivals der Welt, in Deutschland. „Beim ersten Mal haben wir gedacht, die Metaller werden uns auffressen und gleich wieder ausspucken,“ lacht Georgij Makazaria. „Aber die haben uns dort richtig gut aufgenommen. Mittlerweile haben wir schon acht mal auf dem Wacken Open Air gespielt und auch auf vielen anderen Festivals. Das Full Metal Cruise (ein Festival, das auf einem Kreuzfahrtschiff stattfindet. Anm. d. Red.), zum Beispiel, das war richtig geil.“

Naturgewalten

Befragt nach Highlights bei ihren Live-Auftritten, erinnert sich Makazaria an ein Konzert 2008 in Kroatien: „Wir haben da bei einem Open Air am Strand gespielt und mitten im Konzert, bei der dritten Nummer, hat es langsam angefangen zu tröpfeln. Dann hat sich das blitzschnell zu einem Mega Orkan entwickelt. Innerhalb von Sekunden war alles unter Wasser. Diese Kraft der Natur, das war schon Respekt einflößend.“

Da alle Bandmitglieder Familien haben, gehen sie nicht gerne auf lange Tourneen und beschränken ihre Auftritte auf Europa. In Russland scheint ironischerweise der Bandname selbst ein Hindernis für den großen Erfolg zu sein. Makazaria erklärt: „Russkaja ist ein Adjektiv und bedeutet soviel wie die russische. Für russische Ohren klingt das vielleicht etwas zu patriotisch. Mir geht es aber nur um die schöne russische Kultur. Politische russische Identität ist bei uns null Thema.“

Russian Gentlemen

2019 erschien ihr bisher letztes Album No One Is Illegal. Neben Russkaja hat Georgij Makazaria auch noch ein weiteres Projekt laufen, den Russian Gentlemen Club. Diese Formation, bestehend aus Makazaria, Roman Grinberg, Alexander Schevchenko und Aliosha Biz, veröffentlichte bisher ein Album mit dem schlichten Titel 1 und absolvierte einige Live-Auftritte. Der Russian Gentlemen Club ist musikalisch ruhiger, mit Elementen des Walzer und Streetpop,“ sagt Makazaria darüber. „Und Texte sind alle auf russisch.“

Das Corona-Dilemma

Seine Vielseitigkeit brachte Georgij Makazaria auch Rollen in einigen Musicals ein. Zuletzt war in Anatevka in der Rolle des Tevje im Badner Stadttheater zu sehen, doch leider war nach nur vier Vorstellungen Schluss, da die Corona-Pandemie ausbrach.

Das hat mich und die Band hart getroffen,“ so Makazaria. „Derzeit leben wir alle vom Härtefallfonds. Gott sei Dank gibt es noch Willkommen Österreich, das ist derzeit unsere einzige Einkommensquelle. Proben sind derzeit auch nicht möglich, wegen Sicherheitsabstand und weil unsere Miglieder verstreut sind in Wien, Oberösterreich, Steiermark und Deutschland. Am meisten vermisse ich es Konzerte geben zu können.“

Derzeit arbeitet die Band an Material für ein neues Album, bald sollen neue Demos erscheinen. Beim Songwriting setzten Georgij Makazaria und seine Bandkollegen ebenfalls auf Vielseitigkeit.

Wir haben da verschiedene, offene Herangehensweisen,“ erklärt mir der Sänger. „Jeder steuert Material bei. Ich selbst habe viel mit unserem Gitarristen Engel Mayr zusammen geschrieben. Er ist ein toller Songwriter.“

Russkaja ist eine in Wien gegründete Musikgruppe. Das momentane Line Up besteht aus Georgij Makazaria (Gesang), Engel Mayr (E-Gitarre), Dimitrij Miller (E-Bass), Mario Stübler (Schlagzeug), Hans-Georg Gutternigg (Potete), Nicolo Loro Ravenni (Saxophon) und Lea-Sophie Fischer (Violine).

Frühere Mitglieder waren: llse Riedler, Pavel Shalman, Titus Vadon, Alex Schuster, Manfred Franzmeier, Zebo Adam, Christoph Schödl, Antonia-Alexa Georgiew, Rainer Gutternigg und Ulrike Müllner

Die Band veröffentlichte bisher fünf Studioalben: Kasatchok Superstar, Russian Voodoo, Energia, Peace, Love & Russian Roll, Kosmopoliturbo und No One Is Illegal

Info:

https://www.russkaja.com

https://www.rgclub.at/

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Author: Christian Handler

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