Merna El-Mohasel: Die Sprache der Augen

Sie ist eine komplexe Angelegenheit, die menschliche Sprache. So vielfältig wie das Leben selbst, hat sie die Macht uns einander näher zubringen, kann uns aber genauso gut trennen. Dabei gibt es nicht nur die Sprache, derer wir uns bedienen, wenn wir akustische Signale mit unseren Stimmbändern formen, auf deren Bedeutung wir uns als Kollektiv geeinigt haben. Nein, wir Menschen lassen auch den Körper sprechen und sind ebenso in der Lage, uns der Bildsprache zu bedienen. 

Visuelle Sprache

Die letztere Kategorie ist eine Spezialität der Fotokünstlerin Merna El-Mohasel, die schon früh lernen musste, Bilder für sich selbst sprechen zu lassen. 1974 in Tripolis, Libyen als Tochter jordanischer Eltern mit palästinensischen Vorfahren geboren, sollte Kommunikation bald ein prägendes Thema für sie werden.Als ich circa acht Jahre alt war, musste meine Familie aus Libyen fliehen,“ erzählt Merna El-Mohasel. „Mein Vater war Lehrer und Atheist und wurde von der Religionspolizei verfolgt. Zuerst gingen wir nach Jordanien, dort habe ich mich aber nie wirklich wohlgefühlt. Nach einem Jahr sind wir dann nach Deutschland gekommen.“

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Sprachwerkzeug

Hier war die neunjährige Merna El-Mohasel vor eine große Herausforderung gestellt: Sie musste eine völlig neue Sprache erlernen, die wenig mit ihrer Muttersprache Arabisch gemein hatte. Doch sie fand einen Weg ihre Sprachschwierigkeiten in den Griff zu bekommen: Mit zehn Jahren konnte ich die deutschen Worte lesen, aber nicht aussprechen. Ich hatte aber eine Polaroidkamera und machte Fotos von allem. Oft zeigte ich dann die Bilder, um mich verständlich zu machen. So fügte ich nach und nach, die neue Sprache puzzle-artig zusammen. Fotografie wurde so für mich zu einem Sprachskill. Es ist Ausdruck ohne große Worte. Doch je mehr ich mich angestrengt habe, umso weniger wurde ich verstanden. Schließlich habe ich begonnen, meinen Fotos auch Titel zu geben, um die Gedanken der Betrachter zu lenken.“

Deine Vergangenheit liegt auf meinen Schultern
Neue Ära, neue Heimat

Nach ihrer Schulzeit in Deutschland, begann Merna El-Mohasel, die eigentlich Meeresbiologin werden wollte, eine Lehre als Einzelhandelskauffrau in einem Fotogeschäft. „Das war mein Paradies. Hier erhielt ich meine technische Ausbildung bezüglich Kameras, wurde aber mit Künstlerischem in Ruhe gelassen. Irgendwann hatte ich dann alles zusammen, was ich brauchte.“

Euer Zeitgeist ist grausam

Nach ihrem Abschluss arbeitete sie noch eine Weile im Geschäft, begann daneben aber sich noch intensiver mit Fotografie zu beschäftigten. 2005 kam sie nach Graz, um als Auftragsarbeit dort Hinterhöfe zu fotografieren. „Die Stadt hat mich sofort gefesselt,“ schwärmt El-Mohasel. „Hier hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl der Heimat. Also habe ich spontan beschlossen hier zu bleiben.“

Zwischenstopp

Zwischendurch reiste sie auch eine Zeit lang durch ganz Österreich und verbrachte einige Zeit in Wien, was ein wichtiger Entwicklungsschritt für sie war. Zwei Jahre arbeitete sie auch bei einer Modelagentur.  Ich bin zu den Agenturen gegangen und habe sie gebeten, mir die Menschen so zu fotografieren, wie es sich gehört, nämlich als Menschen und nicht nur als Körper. Eine hat schließlich ja gesagt. So habe ich versucht Mode und Mensch in Einklang zu bringen, doch musste dann aufhören. Ich konnte es nicht mehr rechtfertigen, was ich da tue. Da ist so ein perverser Umgang miteinander, vor allem unter Familienangehörigen. Da werden von jungen Menschen gewisse Dinge gefordert, die sie zerstören.“

Eure Masken sind hässlich
Mit dem Licht gedacht

Zu ihrer künstlerischen Arbeit befragt, gewährt sie einen kleinen Einblick in ihren Prozess: „ich suche mir die Menschen aus, die ich fotografieren möchte und beobachte sie eine Zeitlang, um sie richtig kennen zu lernen. Wenn ich fotografiere, benutze ich auch Musik, bestimmte Töne, die mich in Stimmung bringen. Von Überlagerungen distanziere ich mich, ich versuche das Licht für mich arbeiten zu lassen. Dabei verwende ich eine Folie als Pinsel für das Licht, der Körper des Models ist dabei der Maler. Momentan versuche ich auch eine Filmidee mit dem Titel Porträtierte Gedanken umzusetzen.“

Lichtmalerin

Wer einen genaueren Einblick in Merna El-Mohasels vielseitige Arbeiten möchte, sollte einen Blick auf ihre Facebookseite oder ihr Instagramm werfen:

https://www.facebook.com/merna.elmohasel

https://www.instagram.com/mernaelmohasel/?hl=de

Ältere Arbeiten sind auch auf ihrer Homepage zu finden:

https://merna-el-mohasel.com/

 

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Author: Christian Handler

1 thought on “Merna El-Mohasel: Die Sprache der Augen

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